Großer Zapfenstreich

Alle drei Jahre, wenn die Regentschaften des Schützen- und des Burschenkönigs zuende gehen, veranstaltet die Schützengilde 1377 Korbach Ihr höchstes militärisches Zeremoniell: den großen Zapfenstreich. Der Ablauf ist streng geregelt, erhält aber durch die Musikwünsche der scheidenden Könige (Serenade) eine besondere Note.

Der Große Zapfenstreich nimmt auf dem vielfältigen Gebiet der deutschen Militärmusik eine besondere und herausragende Stellung ein. Diese feierliche Abendmusik mit ihrer Abfolge von Trommel­ und Pfeifenstücken, Reitersignalen und dem „Gebet“ trägt bis auf den heutigen Tag die beiden großen ungebrochenen Traditionen deutscher Militärmusik in sich: die Trommeln und die Pfeifen, also das „Spil“ der Landsknechte sowie die Trompeten und Pauken der Reiterei.

Der Name Zapfenstreich stammt aus der Zeit der Landsknechte. Im Jahre 1596 wurde erstmals ein Abendsignal in Verbindung mit dem „Zapfenschlag“ erwähnt. Mit einem solchen Schlag bzw. Streich auf den Zapfen eines Fasses gab der Profos (Verwalter der Militärgerichtsbarkeit) das Signal zur Nachtruhe, die unbedingt einzuhalten war. Von diesem Zeitpunkt an durfte der Wirt keine Getränke mehr ausgeben, die Landsknechte hatten sich in ihre Zelte zu begeben und Ruhe zu halten. Zuwiderhandlungen gegen dieses Gebot wurden „exemplariter abgestraffet“.

Locken – Zapfenstreich – Gebet

Im Laufe der Zeit wurde es üblich, das Zeichen zur Nachtruhe auch in musikalischer Form zu geben. Bei der Kavallerie geschah dies durch Trompetensignale (die „Retraite“), bei der Infanterie durch besondere Spielstücke für Flöte und Trommel. Das heute übliche Zeremoniell des Großen Zapfenstreichs geht auf die Befreiungs­ kriege (1813 – 1815) zurück.

Aus dieser Zeit stammt der Brauch, dem Zapfenstreich ein kurzes Abendlied folgen zu lassen. König Friedrich Wilhelm III. befahl unter dem Eindruck eines Brauches in der Russischen Armee im August 1813 auch bei seinen Truppen nach dem Zapfenstreich ein Gebet. Auf dieser Grundlinie (Locken – Zapfenstreich – Gebet) stellte Friedrich Wilhelm Wieprecht, der legendäre Wegbereiter deutscher Blas­ und Militärmusik, die noch heute gültige Form des Großen Zapfenstreichs zusammen.

Er erklang auf diese Weise mit 1.200 Mitwirkenden erstmalig am 12. Mai 1838 in Berlin als Abschluss eines Großkonzertes zu Ehren des russischen Zaren. Die damals erklungene Spielfolge umriss bereits ein Konzept, das bis zum Jahre 1918 zwar vielerorts variiert wurde, sich aber wie ein roter Faden bis zum heute verbindlichen Ablauf durchzieht:

■ Locken zum Zapfenstreich (Spielleute)

■ Zapfenstreichmarsch (Spielleute und Musikkorps)

■ Retraite (die 3 Posten des traditionellen Zapfenstreiches der berittenen Truppen, Musikkorps)

■ Zeichen zum Gebet (Spielleute)

■ Gebet (Spielleute und Musikkorps)

■ Abschlagen nach dem Gebet (Spielleute)

■ RufnachdemGebet(Musikkorps).

Seit 1922 endet der Große Zapfenstreich mit der Nationalhymne.

Das Zeremoniell des Großen Zapfenstreiches

Der Große Zapfenstreich wird von einem Spielmannszug und einem Musikkorps gemein­ sam ausgeführt, die von zwei Zügen unter Gewehr und von Fackelträgern begleitet werden. Führer des Großen Zapfenstreiches ist ein Truppenoffizier, der mindestens im Range eines Stabsoffiziers steht und die für den Großen Zapfenstreich angeordneten Kommandos gibt.

Die musikalische Leitung obliegt dem Chef des Musikkorps. Der Große Zapfenstreich marschiert unter den Klängen des „Yorckschen Marsches“ auf. Nach dem Einnehmen und Ausrichten der Formation folgt die Meldung an die zu ehrende Persönlichkeit. Daran schließt sich eine Serenade an, die üblicherweise aus drei Musikstücken besteht. Anschließend lässt der Führer des Großen Zapfenstreiches die Formation stillstehen.

Es folgt der Große Zapfenstreich in der zuvor dargestellten Spielfolge. Beim anschließen­den Gebet wird der Helm auf Kommando abgenommen. Nach der Nationalhymne erfolgt die Abmeldung des Großen Zapfenstreiches, der dann unter den Klängen des „Zapfenstreichmarsches“ ausmarschiert.

Quelle: Der Große Zapfenstreich, Verteidigungsministerium

Letzte Änderung amDonnerstag, 25 Januar 2018 14:00
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